Predigt 12. n Trinitatis Apg 9 Berufung des Paulus Pfr. Carsten Fürstenberg

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

 

 

Liebe Gemeinde,

 

 

ich habe Ihnen ein Schild mitgebracht. Das kennen Sie alle vor allem wenn sie in den letzten Wochen nach Rothenburg gefahren sind, dann war eine Umleitung an der nächsten. Umleitungen sind ziemlich nervig, vor allem wenn man sich nicht auskennt, da hat man einen Weg im Kopf den man gehen bzw. fahren möchte und dann plötzlich ein Stopp-Schild und eine Umleitung. Hier kommst du nicht weiter, dieser Weg ist nicht der deine, es geht in eine andere Richtung. Irgendwie ist einem die Planung des eigenen Weges aus den Händen genommen und man muss den Schildern hinter her fahren, die man nicht selber aufgestellt hat.

 

Vielleicht kennen Sie auch solche Umleitungen – nicht nur die im Straßenverkehr. Ein Familienvater hat alles genau geplant, wenn er weiter so viel arbeitet und zwei Jobs hat- einen noch nach 17 Uhr und am Wochenende, dann kann er das Haus schneller abbezahlen und hat dann vielleicht mehr Zeit für seine Frau und seine Kinder. So war es gedacht und diesen Weg ist er einige Jahre mit großem Eifer gegangen und hat sich mächtig reingehängt. Aber dann eines Morgens wurde ihm schlecht und im Krankenhaus haben sie ihm dann sehr deutlich gemacht, dass er sein Leben ändern muss und langsamer tun. Er muss einen anderen Weg einschlagen, wenn er weiter leben will. Es geht nicht anders, sein Leben muss eine Umleitung gehen mit weniger Arbeit und weniger Geld und mehr Zeit für sich und die Familie.

 

Die Eltern wollen für ihren Sohn das Beste und er soll unbedingt aufs Gymnasium, weil schließlich soll aus dem Jungen doch mal was Gescheites werden. Die ersten Jahre hat er sich so einigermaßen durchgeschlagen aber jetzt in der 8. Klasse hat es ihn erwischt, das Klassenziel wie es heißt nicht erreicht, und auf jeden Fall muss er eine Umleitung gehen, entweder wiederholen oder die Schule wechseln. Für die Eltern bricht eine Welt zusammen und das spürt der Junge und auch das macht ihn traurig. Sein durchgeplantes Leben wird sich ändern, er selber will lieber auf eine andere Schule aber ob seine Eltern ihn verstehen werden?

 

Überlegen Sie mal für sich, welche Umleitungen welche Stopp Schilder ihnen in ihrem Leben begegnet sind. Wo sie einen genauen Plan hatten und dachten, dass Sie wissen was gut und richtig ist und wo ihr Leben und das der Ihren hingehen soll. Und wo dann solche Momente waren, an denen sich alles geändert hat, vielleicht von einem Moment auf den nächsten. Nicht jeder Mensch hat solche ganz einschneidenden Erlebnisse, aber das Gefühl, dass wir Umleitungen in unserem Leben gehen müssen, dass kennen wohl die meisten.

 

Wir haben heute in der Lesung auch von einem Menschen gehört, dessen Lebensweg eine ganz andere Wendung genommen hat, als er das gedacht hat. Der eine enorme Umleitung nehmen musste, dem ein Stopp- Schild direkt vor die Nase gesetzt wurde. Und ich wage einmal die Behauptung ohne die Umleitung die Paulus in seinem Leben gehen musste, würden wir heute nicht als germanische Christenmenschen hier und heute im Gottesdienst sitzen. Denn durch die Umleitung des einen kam ein Prozess in Bewegung – dessen Auswirkungen wir heute noch spüren. Durch Paulus kamen die Heiden – also alle Nicht jüdischen Menschen – in Kontakt mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und dem Vater Jesu Christi. Ein  Historiker hat einmal gesagt, dass kein Mensch und keine Armee, die je nach Damaskus gegangen sind, den Lauf der Weltgeschichte so verändert hat, wie der erblindete jüdische Schriftgelehrte Saulus, der von seinen Begleitern gestützt durch das Stadttor stolperte. Die Geschichte von der Wandlung des Paulus hat also eine menschliche und eine weltgeschichtliche Dimension und beide hängen zusammen.

Zunächst die menschliche, individuelle: Saulus war sich seiner Sache sehr sicher. Er gehörte zu den Pharisäern, also zu denen die größten Wert auf die Einhaltung der Gebote Gottes legten und er war ein zutiefst frommer Mann. Er war gebildet und sah das Volk Israel als das von Gott erwählte und geliebte Volk an. Die alte Überlieferung galt es auf alle Fälle zu erhalten und zu schützen, schließlich war es die Tora als die 5 Bücher Mose, die das Volk Israel über die Jahrhunderte erhalten und ihnen Identität gegeben hatte, gerade in schweren Zeiten als sie von anderen Völkern überfallen und verschleppt wurden. Seinen Weg sah er sehr klar vor sich. Er war bereit seinen Glauben mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen – das war Gottes Wille für ihn, davon war er überzeugt. Und diese neue Gruppierung, die behauptete, dass ein Zimmermann aus Nazareth der Messias sei und von den Toten auferstanden ist, diese Menschen stellten so ziemlich alles in Frage für das er und die Überlieferung stand. Er verurteilter Verbrecher konnte nicht der Messias sein, kein Mensch durfte von sich behaupten der Sohn Gottes zu sein und keiner konnte es wagen, das Gesetz Gottes so auszulegen wie es ihm passte. All  dies hatte Jesus getan und seine kleine Schar von Anhängern auch. Diese verbreiteten sich immer mehr und es galt sie mit allen Mitteln aufzuhalten. Saulus war überzeugt: Der Gott Israels ist groß. Und es ist sein Wille, die falsche Lehre auszumerzen und die Ungläubigen zu aufzuhalten notfalls mit Gewalt. Ich denke in seinen Gedankengängen und in seiner Radikalität unterschied sich Saulus/Paulus nicht von den Radikalen unserer Tage seien es Islamisten oder radikale Christen. Er dachte, dass er Gottes Wille kennt und war bereit diesen auf jeden Fall umzusetzen. Deswegen wollte er Untertsützerbriefe vom Hohen Rat um auch gegen die Anfänge der neuen Bewegung in Damaskus vorgehen zu können. Er hatte einen Plan, einen klaren Weg vor sich und war der Überzeugung, dass das was er tat richtig war.

 

Und dann kommt alles anders. Ganz anders. Von einem Moment auf den anderen, wird das Leben des Saulus auf den Kopf gestellt. Was genau vor den Toren Damaskus geschehen ist, wissen wir nicht. Mediziner sagen, dass er eine Art Schlaganfall erlitten hat wofür auch die zeitweilige Erblindung sprechen würde. Andere sagen es war ein Hitzschlag. Wie auch immer. Er selbst hat es als eine Begegnung mit dem Auferstandenen gesehen und und intepretiert und das ist das was die  weitere Geschichte in Gang gesetzt hat. In der Überschrift der lautet Bibel heißt die Geschichte: Bekehrung des Saulus. Aber eigentlich müsste es Berufung heißen. Denn Bekehrung setzt irgendwie ein aktives Handeln oder Suchen dessen der sich bekehrt voraus. Davon lesen wir aber nichts. Es ist gerade anders. Christus tritt völlig unvermittelt in sein Leben. Er stoppt in im vollen Galopp und zwingt ihn zu einem Umweg und zu einer Auszeit. Oft wurde die Saulus/Paulus Geschichte als die Bekehrungsgeschichte schlechthin gesehen und wurde zum Vorbild für viele Bekehrungserlebnisse die am besten noch mit Uhrzeit und Stunde zu datieren seien. Aber es ist doch ganz anders. Jesus Christus nimmt den Saulus in seinen Dienst, er findet ihn ohne dass der ihn gesucht hat. Er macht den zu seinem Werkzeug, der ihn und die seinen verfolgt hat. Saulus Saulus Was verfolgst du mich? Das ist die Frage an ihn und keine Antwort auf das Suchen des Saulus.

Hier zeigt sich die Freiheit und die Macht Gottes. So wie es Gott gefallen hat seine Macht über den Tod an einem als Aufständischen gekreuzigten Zimmermann aus Nazareth zu zeigen, so gefällt es Gott, aus dem Verfolger einen Verkündiger dieses Christus zu machen. Er zeigt seine Macht und seine Kraft eben gerade in diesen scheinbaren Widersprechen und Paradoxien.

So wird Saulus wird zu einem totalen Umweg gezwungen, zu einer völligen Kehrtwende. Das ist sicher nicht leicht für ihn. Er ist völlig am Boden, er ist blind, 3 Tage lang. Blindheit ist eine Zeit der Hoffnungslosigkeit und doch der Innerlichkeit. Wer von außen nichts mehr sieht, der ist gezwungen nach innen zu blicken. Seine Sinne und Gedanken neu zu sortieren und zu ordnen. Das ist die individuelle Sicht aus der Perspektive des Saulus. Und ich denke sie kann uns einiges sagen: Umleitungen im Leben unterbrechen den Weg, meist sind sie schmerzhaft manchmal sogar tun sie furchtbar weh und werfen einen völlig aus der Bahn, so dass man nicht weiß wie es weiter gehen soll. Manchmal aber bringen uns diese Umleitungen aber auch von falschen Wegen ab, die wir meinten gehen zu müssen. Der Familienvater hat jetzt da er langsamer tun muss mehr Zeit für seine Kinder und Familie und vielleicht ergibt sich eine neue Lebensperspektive für ihn und die seinen und trotz der schweren Zeit wird es besser. Der Junge wechselt vielleicht die Schule und ist dann dort besser aufgehoben und fühlt sich wohler und quält sich nicht jeden Tag in die Schule und gewinnt an Lebensqualität. Und vielleicht verbessert sich dann auch das Verhältnis zu seinen Eltern wieder. Denken sie mal darüber nach. Wo haben Sie Umwege in ihrem Leben weiter gebracht, an andere aber unter Umständen sogar bessere Ziele. Und noch eines sagt mir die Geschichte. Gott kann und will jeden in den Dienst nehmen. Auch den von dem wir es nicht denken. Was soll der schon bringen, der hat doch mit Kirche und Gemeinde nichts am Hut gehabt. Die Skepsis Saulus gegenüber war auch groß. Hananias wollte nicht zu ihm gehen wie der Herr ihm aufgetragen hat.

 

Gott nimmt die Sünder in den Dienst. Darin zeigt sich seine Gnade.

 

Weltgeschichtliche Dimension:  

 

Saulus wird zum Völkerapostel. Frohe Botschaft gilt allen Menschen, keine Regeln und Hürden. Gnade überspringt alle Mauern. Nicht mit Gewalt verbreiten und kann nicht mit Gewalt aufgehalten werden. Und jeder einzelne auch der von dem man es am wenigsten erwartet kann von Gott in den Dienst genommen werden. Der einfache Fischer Petrus genauso, wie der gebildete aber fanatische Schriftgelehrte Saulus. Der Rentner genauso, wie der Professor der Physik, der Schüler wie der Arzt. Sie und ich. Und vielleicht ist so manche Umleitung die uns in unserem Leben begegnet eine Umleitung auf den Weg hin, den Gott für uns vorgesehen hat. Auch wenn wir ihn im ersten Moment noch nicht erkennen können. So wie bei Paulus der als Verfolger losging und als Verkündiger auf seinem Weg ankam.

 

Amen.

 

Und der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

 

 

Wochenspruch